Das „Andaz“ und ein Tag in London

Das „Andaz“ und ein Tag in London

Bei bestem Wetter ging es zurück nach London. Ein paar ereignisreiche Momente lagen hinter mir und die letzten eineinhalb Tage sollten der Entspannung dienen. Ein kurzer und reibungsloser Rückflug von Newcastle war schonmal einen guter Anfang:

Himmel über Newcastle
Himmel über Newcastle

Über den Wolken hat man mitunter ja die Zeit, um sich Gedanken über die ein oder andere Sache zu machen. Ich bin da leider (oder Gott sei Dank?) etwas stark beschränkt und denke auch hier meist nur ans Reisen. So auch in diesem Fall.

Ich weiß zwar kaum, wie es anderen Reisenden geht, wenn sie daran denken, ein Hotel für die nächste Reise zu buchen. Aber ist es nicht so, dass das Hotel ein essentieller Teil der Reise ist, selbst wenn man nur eine Nacht vor Ort ist? Ich zumindest sehe ein Hotel nicht als einen Ort, wo ich nur irgendwie die Nächte zwischen den Tagen verbringe. Dort soll man sich doch schließlich gerade für die Abenteuer des nächsten Tages erholen und wohlfühlen können. Es ist zwar sicherlich schonmal vorgekommen, dass ich ein Hotel rein zu Übernachtungszwecken gebucht habe (an dieser Stelle mal ein freundliches Hallo an das gruselige Hotel Ibis im Stuttgarter Zentrum samt Knastcharme und „Badezimmer“ aus Plastik), aber mittlerweile kann ich das ganz gut umgehen und freue mich umso mehr auf die Aufenthalte.

Nach der Ankunft am frühen Abend ging es also nur noch ins Hotel. Und zwar nicht in irgendein Hotel, sondern in mein absolutes Lieblingshotel in London: Das Andaz Liverpool Street.

Andaz London
Andaz London

Warum gerade das mein Lieblingshotel ist? Ganz ehrlich? So richtig ehrlich? Es hat fünf Sterne. Das ist natürlich kein Muss und sagt auch nicht immer etwas über die Qualitäten eines Hotels aus. Aber in diesem Fall passt es und dann nehme ich das gerne ganz hedonistisch mit. Es gibt aber auch noch überzeugendere beziehungsweise „vernünftigere“ Gründe für diese Entscheidung. Einerseits bin ich durch einen Status Match an den höchstmöglichen Status innerhalb des Hyatt Gold Passport-Programms gelangt, der einem unter anderem kostenloses Frühstück garantiert (immer rein in den nimmersatten Schlund) und darüber hinaus andere interessante Vorteile bietet. Einer der wichtigsten Vorteile in meinen Augen sind die Bonuspunkte, die man pro bezahltem Aufenthalt zu den Basispunkten generieren kann. Die Basispunkte ergeben sich aus dem Zimmerpreis, den man für einen Aufenthalt bezahlt. Die Bonuspunkte werden, je nach Status, prozentual dazugerechnet. In meinem Fall sind das 30% und 1000 Punkte extra gibt es nochmal pro Aufenthalt oben drauf. Die Punkte, die man in den jeweiligen Programmen sammelt, können dann für zukünftige Aufenthalte in den Hotels der gleichen Hotelgruppe genutzt werden. Die Hotelkosten für den aktuellen Trip mit drei unterschiedlichen Hotels lagen zum Beispiel bei 0 €, obwohl man während der Rugby-WM locker mehrere Hundert € pro Nacht hätte zahlen können. Alternativ kann man einen Aufenthalt teilweise mit Geld und Punkten zahlen, oder man nutzt die Punkte für Upgrades in andere Zimmerkategorien bis hin zu Suiten. Und wer mit den Punkten nichts anzufangen weiß, wandelt sie halt in Vielfliegermeilen um, was aber meist ein Verlustgeschäft ist, da die Punkte selten 1:1 übertragbar sind. Loyalität ist manchmal gar nicht so blöd! Auf der anderen Seite bin ich ein großer Fan von ausgefallenem, gerne auch minimalistischem Design und neuen Hotelkonzepten. Ach ich bin einfach generell gerne in Hotels!

Nach einer sehr erholsamen Nacht und dem morgendlichen Exzess beim Frühstück („Bitte 3 Tassen doppelten Espresso und dazu Speck“), ging es schnell raus in die Stadt, denn am Abend stand ja wieder der Flug gen Heimat und altbekannter Umgebung an. Auch wenn ich schon einige Male durch London gelaufen bin, gibt es doch immer wieder etwas Neues zu entdecken. Aber auch schon bekannte Dinge sehe ich mir immer wieder gerne an. Bei einem Spaziergang entlang der Themse kann man im Grunde genommen nichts falsch machen und deshalb erwische ich mich mittlerweile dabei, wie ich eigentlich immer die gleiche Route nehme: Mit der U-Bahn (Mind the gap, du Depp) geht es zunächst zum Tower Hill und von da aus zum Tower, über die Tower Bridge, am Londoner Rathaus vorbei bis hin zum Borough Market („leichter“ Snack inklusive).

Themse, London City Hall und The Shard
Themse, London City Hall und The Shard
Tower Bridge
Tower Bridge
Tower of London und The Gherkin
Tower of London und The Gherkin
The Shard
The Shard

Soviel zu der bekannten Umgebung. Da die Suche nach diversen Merchandise-Artikeln noch nicht beendet war, verschlug mich meine Suche das erste Mal nach Covent Garden. Immerhin sagte mir der Name der Haltestation schonmal etwas und spätestens die große Menschenmenge versicherte mir, dass es sich um ein beliebtes Londoner Viertel handeln muss. Der eingefleischte London-Experte lacht jetzt wahrscheinlich müde und ich schäme mich auch ein wenig, aber hier war tatsächlich eine Menge los! Und nett anzusehen ist es allemal.

Im Zentrum dieses Viertels, um die Ecke von der gleichnamigen U-Bahn-Haltestation, befindet sich der überdachte Covent Garden Market mit lauter Geschäften à la Burberry, Chanel und Co. (als XXL-Model gibt es da leider nichts in meiner Größe), aber auch essen kann man gut, weil zum Beispiel der feine Herr Jamie Oliver dort einen Imbiss namens „Union Jacks“ eröffnet hat. Ich persönlich gehe aber lieber zur „Battersea Pie Station“ und esse landestypische Meatpies mit Mashed Potatoes und Gravy.

Covent Garden Market
Covent Garden Market
Covent Garden Market
Covent Garden Market

Rund um die Markthalle sieht man so ziemlich an jedem Tag Straßenkünstler, die entweder mit Musik oder kleinen Einlagen die Menschen begeistern. Und wem die Cafés und Shops hier noch nicht reichen, der kann sich in den umliegenden Straßen Floral Street und Long Acre in den zahlreichen Imbissen und Boutiquen austoben. Langweilig wird einem garantiert nicht und ich muss sagen, dass ich durch diesen Besuch einen Ort entdeckt habe, an den ich in Zukunft unbedingt wieder zurückkehren möchte.

Nach einer erfolgreichen Shopping-Tour und etlichen Kilometern Fußmarsch ging es nochmal kurz zurück ins Hotel, um von dort aus die U-Bahn zum Flughafen Heathrow zu nehmen. Auf der Fahrt ließ ich vor meinem inneren Auge die vergangenen Tage nochmal Revue passieren. Auch wenn es grundsätzlich schade ist, wenn sich eine Reise dem Ende zuneigt, bleibt bei mir immer das Gefühl, dass ich etwas hinzugewonnen habe. Einerseits wirken natürlich die Eindrücke, die man gemacht hat, nach und werden im Verlauf der Zeit zu wertvollen Erinnerungen. Hinzu kommt aber noch, und das empfinde ich als den noch wichtigeren Part, dass man sich mit jeder Reise selber anders betrachtet und hinterfragt. Durch neugewonnene Eindrücke und Erfahrungen bekommt man die Möglichkeit, sich selber neu einzuordnen, die eigene Persönlichkeit zu erweitern, um letztendlich erfüllter und zufriedener sein zu können. In diesem Augenblick merkte ich, dass das Reisen für meine Zufriedenheit, für mein Glück sorgt. Das viele Reisen ist die beste Art und Weise, um zu mir zu finden.

Welch Ironie! Darauf erstmal ein bis drölf Gin Tonic und einen Berg Sandwiches in der British Airways-Lounge! Tschüss London und Newcastle. Ich bin sehr dankbar für alles Erlebte und freue mich auf eine baldige Rückkehr.

Gin Tonic und Sandwiches
Gin Tonic und Sandwiches
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