Sheikh Zayed Moschee und eine Wüstensafari

Sheikh Zayed Moschee und eine Wüstensafari

Da die letzten Tage (hört sich nicht so „schlimm“ an wie „die letzte Woche“) konsequent entweder am Strand oder in Poolnähe mit Entschleunigung verbracht wurden (ich entschleunige sogar so sehr, dass ich beinahe in der Zeit zurückreise), schrie der innere Entdeckergeist mittlerweile umso lauter nach Erlösung. Da ich kein Freund von halben Sachen bin, wurde der letzte Urlaubstag vollgepackt mit einer Besichtigung der Sheikh Zayed Moschee, die zu den schönsten Moscheen der Welt zählt, einer Wüstensafari samt Besuch eines Beduinencamps und zu guter Letzt folgte der krönende Abschluss der Reise beim traditionellen Fastenbrechen, dem sogenannten Iftar, bei dem ich ausnahmsweise so viel gegessen habe, dass ich in der folgenden Nacht nicht schlafen konnte. Welch cleverer Schachzug.

Auch du, Abu Dhabi? Wenn der Führerschein zum Waffenschein wird

Ungefähr eine halbe Stunde dauerte die Fahrt von Saadiyat Island bis zur Sheikh Zayed Moschee. Auf dem Weg dorthin fährt man praktischerweise durch Abu Dhabi City und man kann sich, wenn das der erste Besuch sein sollte, schonmal einen Überblick verschaffen.

Abu Dhabi
Abu Dhabi
Abu Dhabi
Abu Dhabi

Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, seinen Urlaub mit einem Tobsuchtsanfall und einem Gefängnisaufenthalt zu beginnen, da mit großer Wahrscheinlichkeit diverse verbale Entgleisungen durch die „Fahrkünste“ anderer Verkehrsteilnehmer provoziert werden. Außerhalb von Downtown Abu Dhabi, auf den großzügig ausgebauten Autobahnen, fühlte man sich noch mitunter vereinsamt, weil es den Anschein machte, dass die eigene Privatautobahn als Begrüßungsgeschenk zum Urlaub daherkommt. Kommt man jedoch in das Stadtzentrum, kennt der Wahnsinn auf 2 bzw. 4 Rädern, ähnlich wie in Dubai, fast keine Grenzen. Steht man an einer roten Ampel, lässt sich die Situation am besten mit einem Wespennest vergleichen, das erst in Brand gesteckt und zu allem Überfluss noch angespuckt wurde: Sobald die Ampel grün aufleuchtet, schwärmen alle auf wildeste Art und Weise aus, um zur Gefahr für die Umgebung zu werden. Wer das Glück hat und in die Zukunft sehen kann, erahnt rechtzeitig die teilweise recht spontanen Spurwechsel der anderen Fahrer. Du willst bei einer 5 oder 6-spurigen Straße von der ganz rechten auf die ganz linke Spur? Tu dir einen Gefallen: Fahr einmal im Kreis um die ganze Stadt und ordne dich neu ein. Dein Geisteszustand und das Ausbleiben eines wutbedingten Schlaganfalls sollten Lohn genug sein. Zwar bin ich in der Vergangenheit schonmal in New York/Manhattan Auto gefahren, was bisher mein absoluter Endgegner war, aber Dubai und Abu Dhabi geben sich alle Mühe auf der Jagd nach der Krone.

Die Sheikh Zayed Moschee

Schon von weitem lassen sich bereits die beeindruckenden Dimensionen der Moschee erahnen. Die hohen Minarette und vor allem die riesigen Kuppeln erstrahlen in schlichtem, aber aufgrund der riesigen Fläche auch in beeindruckendem Weiß. Selten habe ich ein so spektakuläres, aber zugleich beruhigendes Bauwerk besucht. Nach dem Stresstest im mittäglichen Verkehr von Abu Dhabi war dies sicherlich genau der richtige Ort, um wieder zu innerer Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Sheikh Zayed Moschee
Sheikh Zayed Moschee – http://bit.ly/29hjn0Q

Den Besuchern bleibt es selbst überlassen, ob sie an einer geführten Tour teilnehmen, oder ob sie die Moschee alleine erkunden. Was jedoch Pflicht ist: Ein schwarzer Umhang für Frauen und ein weißer Umhang für Männer, wenn diese beispielsweise nicht mit einer langen Hose bekleidet sind. Obwohl ich in weiser Voraussicht und trotz der 43 Grad eine lange Hose angezogen hatte, musste ich mir wegen meiner Tätowierung auch einen der weißen Umhänge abholen. Der Angestellte an der zentralen Ausgabe begrüßte mich in bestem Arabisch, woraufhin ich ihm aber leider nicht adäquat antworten konnte. Offensichtlich etwas verblüfft fragte er mich daraufhin in Englisch, ob ich denn wirklich kein Moslem sei, was wiederum bei mir für Verwirrung sorgte. Noch immer etwas überrascht händigte er mir daraufhin trotzdem den Umhang im Tausch gegen meinen Personalausweis aus. Und ich muss sagen, dass die Umhänge sehr bequem und auch so luftdurchlässig waren, dass sie sich ziemlich angenehm tragen ließen.

Sheikh Zayed Moschee
Sheikh Zayed Moschee – Mann mit coolen Sneakers

Fast alle Bodenflächen in der Moschee bestehen aus Marmor, was aber bei Baukosten von rund 350 Mio. Euro kein Wunder ist. Auch für diverse Kronleuchter wurden nur edelste Materialien verwendet und der gigantische Teppich im Inneren des Gebetsraums wurde sogar von Hand im Iran hergestellt. Die Wände und Böden sind mit Blumenmustern oder Sternen verziert und die ein oder andere goldene Verzierung bekommt man auch zu sehen. Selbst die traditionellen Waschräume in den unteren Etagen standen dem Rest in nichts nach und sorgten darüber hinaus für eine sehr willkommene Abkühlung.

Sheikh Zayed Moschee - Traditioneller Waschraum
Sheikh Zayed Moschee – Traditioneller Waschraum
Sheikh Zayed Moschee - Traditioneller Waschraum
Sheikh Zayed Moschee – Traditioneller Waschraum

Der mit Abstand eindrucksvollste Ort innerhalb der Moschee ist sicherlich der zentrale Gebetsraum, den man auch nur barfuß betreten darf, weil dort der handgefertigte Teppich ausgelegt ist. Über Lautsprecher erklingen hin und wieder Gebete und Predigten, ansonsten herrschte vorwiegend beeindrucktes Schweigen.

Sheikh Zayed Moschee - Gebetsraum
Sheikh Zayed Moschee – Gebetsraum

Achterbahn mal anders: Abu Dhabi Desert Safari

Nach 2 Stunden voller Staunen und nach der Wiedererlangung meines Seelenfriedens gab ich meinen liebgewonnenen Umhang wieder ab, um fluchend den Rückweg zum Hotel anzutreten. Ein positives Erlebnis während der Fahrt gab es entgegen aller Erwartungen doch noch und zwar war es das Tanken. Kein Spaß, denn wo auf der Welt kann man noch einen absolut leergefahrenen Tank für 12 Euro wieder randvoll auffüllen?! Hätte ich mal besser vor dem Rückflug noch Sprit in den Koffer gepackt…Da wundert es einen auch nicht, wenn die Emiratis bspw. beim Einkaufen den Motor vom geparkten Auto laufen lassen, damit die Klimaanlage weiterläuft.

Um nicht wieder in alte Muster zurück zu fallen, ging im es im Anschluss an eine kurze Pause direkt mit dem nächsten Programmpunkt des Tages weiter: Eine Wüstensafari inklusive Besuch eines Beduinencamps. Leider musste ich beim Warten auf den Jeep feststellen, dass sich ein deutsches Ehepaar samt Kleinkind ebenfalls dazu entschlossen hatte, an der Safari teilzunehmen. Mein „Glück“ mal wieder. Der Vater sah aus, als wäre er ein „Hubert“, sie habe ich „Gabi“ getauft und der Junge konnte dementsprechend nur noch „Alfred“ heißen. Nichts desto trotz machten wir uns mit unseren Fahrern und mit großer Vorfreude auf den Weg in Richtung Wüste.

Weil wir vor der eigentlichen Safari noch etwas Zeit hatten, führte uns der erste Teil der Tour zum Yas Marina Circuit, wo jedes Jahr im Rahmen der Formel 1 der Große Preis von Abu Dhabi ausgetragen wird. Nach einem kurzen Blick auf die Strecke, setzten wir die Fahrt zu unserem ersten planmäßigen Stopp, einer Kamelfarm am Rande der Wüste, fort. Eine Weile fuhren wir noch über asphaltierte Straßen, bis der Fahrer sich jedoch entschied, gen Wüste abzubiegen. Eigentlich keine große Überraschung, aber es war dennoch verblüffend, wie schnell man im sandigen Nirgendwo stehen kann. Nachdem wir die Straße verlassen hatten, hielt der Fahrer an, um mit seinem Begleiter etwas Luft aus den Reifen zu lassen. Weil ihm die englische Sprache scheinbar spanisch vorkam, wurde Hubert relativ nervös, denn er verstand den Sinn hinter der Aktion nicht. Obwohl ich den Gedanken lustig fand, Hubi und seine Familie in Angst weiterfahren zu lassen, nuschelte ich ihm „…mehr Oberfläche…Sand…Dünen“ entgegen, was ihn zu beruhigen schien. Als genug Luft aus den Reifen gelassen wurde, bekamen wir eine erste Kostprobe vom eigentlichen Inhalt der Safari: Mit 100 km/h fuhren wir auf einer moderat buckligen Piste, die uns ordentlich durchschüttelte und das erste Lächeln in ein paar Gesichtern hervorrief. Am Ende dieser rasanten Einführung machten wir Bekannschaft mit den Kamelen der bereits erwähnten Farm. Offensichtlich waren die Sympathien auf beiden Seiten gleich groß:

Abu Dhabi Desert Safari - Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari – Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari - Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari – Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari - Kamel und Kamel mit Sonnebrille
Abu Dhabi Desert Safari – Kamel und Kamel mit Sonnebrille
Abu Dhabi Desert Safari - Kamelfarm
Abu Dhabi Desert Safari – Kamelfarm

Direkt im Anschluss an den Besuch der Kamelfarm wurde es abenteuerlich. Zwar hatten wir die ersten zwei Dünen noch Zeit, um uns an das Gefühl einer Achterbahnfahrt zu gewöhnen, aber danach prügelte der Fahrer den Wagen und seine Insassen kreuz und quer durch die Wüste. Beim Betrachten der vorausfahrenden Fahrzeuge hatte man nicht das Gefühl, dass allzu wilde Dinge passieren, aber sobald wir selber die Dünen runtergerast sind und in den steilen Sandkurven in unsere Sitze gepresst wurden, wussten wir, was Sache war. Gut, dass der Wagen im Inneren gut gepolstert war. Gegen einen schwachen Magen half aber leider auch das nichts und so entschied sich Gabi noch während der ersten Runde des Dünen-Bashings dazu, das ein oder andere Bäuerchen mit Beilage zu machen. Da der sich ausbreitende Geruch jetzt keine unmittelbare Wohlfühlatmosphere schuf, legten wir unerwartet früh die erste Pause ein. Dabei sorgten die spektakuläre Weite der Wüste und die unterschiedlichsten Lichter und Farben für allgemeine Begeisterung.

Chuck-Norris-Baum. Braucht kein Wasser und wächst da, wo er will.
Chuck-Norris-Baum. Braucht kein Wasser und wächst da, wo er will.
Abu Dhabi Desert Safari
Abu Dhabi Desert Safari

Während der nächsten Runde nahm der Fahrer keine Rücksicht auf die gute Gabi, die daraufhin, wahrscheinlich aus Protest, bis zum Ende der Safari alles aus sich herausholte. Auf der einen Seite sicherlich unschön für Gabi (und für Hubi, weil er sich kümmern durfte), aber auf der anderen Seite auch reichlich clever von ihr, weil sie so Platz für das üppige Abendessen schaffen konnte. Und was war mit dem kleinen Alfred? Der war gut drauf und gab kaum einen Ton von sich. Ein tolles Kind!

Ankunft im Beduinencamp

Eine Stunde vor dem Sonnenuntergang erreichten wir das Beduinencamp in der Wüste von Abu Dhabi. Bis zum Fastenbrechen, dem Iftar, konnte man sich die Zeit mit Quadfahren, Kamelreiten, Dünensurfen oder einfach nur mit einem Spaziergang in den Dünen vertreiben. Als erstes versuchte ich mich im Dünensurfen, aber scheinbar waren die Dünen für mein Gewicht nicht gemacht und so endete ich eher als Dünen-U-Bahn, weil ich die meiste Zeit unter der Sandoberfläche feststeckte und dabei nicht wirklich vorwärts kam. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich von den wesentlich besser angepassten Kamelen dem Sonnenuntergang entgegen tragen zu lassen (das arme Tier musste danach lange, lange „schlafen“). Die letzten Minuten verbrachte ich mit einem entspannten Todesmarsch hinauf auf eine größere Düne, um das eindrucksvolle Panorama bestmöglich verfolgen zu können. Eine Anstrengung, die sich voll und ganz gelohnt hat.

Mann macht Kamel kaputt
Mann macht Kamel kaputt
Wieso hat das Kamel kein WLAN? Ich will SOFORT nach Hause!
Wieso hat das Kamel kein WLAN? Ich will SOFORT nach Hause!
Abu Dhabi Desert Safari - Sonnenuntergang
Abu Dhabi Desert Safari – Sonnenuntergang
Abu Dhabi Desert Safari - Sonnenuntergang
Abu Dhabi Desert Safari – Sonnenuntergang

Iftar: Das traditionelle Fastenbrechen

Die letzte „Aufgabe“ des Tages bestand darin, an dem traditionellen Fastenbrechen  teilzunehmen, das während des Ramadan nach dem Sonnenuntergang gefeiert wird. Dazu versammelten sich die Teilnehmer der Safari im Beduinencamp, wo man zusammen auf Teppichen und großen Kissen sitzen konnte, um dann in der Gruppe Iftar zu feiern.

Abu Dhabi Desert Safari - Beduinencamp
Abu Dhabi Desert Safari – Beduinencamp

Nach dem Sonnenuntergang warteten alle auf ein Gebet, das den Zeitpunkt des Fastenbrechens festlegte. Zu Beginn des Fastenbrechens wurden überlicherweise ein paar Datteln gegessen und dazu trank man etwas Wasser. Im Anschluss durfte sich jeder am reichhaltigen Buffet bedienen. Natürlich gab es auch hier wieder Hummus ohne Ende, dazu Safran-Reis, Schawarma mit unterschiedlichen Fleischsorten, frisches Gemüse und Obst (hab ich zumindest von gehört) und allerhand süße Nachspeisen. Aber auch an die weniger experimentierfreudigen Reisenden wurde gedacht und so gab es auch Pommes oder verschiedene Nudelgerichte. Leider konnte Hubi aus irgendeinem Grund aber nichts essen und lag die meiste Zeit auf den Teppichen herum, bis er sich für ein paar Minuten verdrückte. Als die ehemalige Koryphäe auf dem Gebiet der Erbrechenswissenschaft alias Gabi den kleinen Alfred nach dem Verbleib seines Vaters fragte, wusste dieser eloquent mit „Der ist gerade kacken“ zu antworten, was einiges erklärte. Eine phantastische Familie.

Im Anschluss an das ausgiebige Abendessen konnte man sich die Zeit entweder mit dem Rauchen einer Shisha, Henna-Tätowierungen oder der Jagd nach kleinen Souvenirs vertreiben, oder man posierte in traditionellen arabischen Kleidern für ein Erinnerungsphoto. Die meisten Safari-Teilnehmer lagen jedoch auf den Teppichen und ließen es sich nicht nehmen, den Sternenhimmel über der Wüste zu bestaunen, denn ohne die gewohnte Lichtverschmutzung der Großstadt hatte man hier einen nahezu perfekten Ausblick.

Am Ende es Abends machten sich die Fahrzeuge auf den Weg zurück zu den Hotels in Abu Dhabi. Viel wurde während der Fahrt nicht mehr geredet, da wir vom vielen Essen einfach zu müde waren. So blieb es angenehm ruhig und vor allem speifrei. Am Hoteleingang verabschiedeten wir uns noch dankbar von unseren Fahrern und jeder ging seinen Weg. Jetzt hieß es nur noch Koffer packen für den nächsten Tag, denn da stand auch schon der Rückflug nach Deutschland an.

Ich kann ehrlich von mir behaupten, dass ich mich selten so erholt gefühlt habe (zumindest dann, wenn ich nicht Opfer des Straßenverkehrs wurde), da ich mir bisher im Urlaub aber auch nie die Zeit genommen habe, um einfach mal nichts zu tun. Was ich aber darüber hinaus bemerkt habe: Dauerhaft bin ich gar nicht der Typ dafür. Viel lieber verbringe ich Zeit in großen Städten und versuche ein Teil von einer belebten und auch fremden Masse zu werden. Auch ein Roadtrip entspricht eher meiner Vorstellung vom Reisen, weil es bedeutet, dass man ständig in Bewegung ist und neue Dinge lernt und zu sehen bekommt. Aber eine willkommene Ausnahme war der Trip in die Emirate allemal, denn auch diesmal gab es wieder interessante Dinge zu sehen und ich konnte neue Erinnerungen bzw. Erfahrungen machen. Und letzten Endes geht es doch genau darum: Die uns gegebene Zeit mit all den Dingen zu bereichern, die für uns eine Bedeutung haben, die uns glücklich machen und die uns das Gefühl geben, dass unser Dasein einen Zweck erfüllt. All das vereint sich bei mir beim Reisen, denn in diesen Momenten bin ich der Mensch, mit dem ich zufrieden sein kann.

Also: Auf die nächsten Reisen! 🙂

Was an den vorherigen Tagen los war, findest du hier.

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