Hot Water Beach und Cathedral Cove

Der eine oder andere hat dieses Bild aus Neuseeland hier im Blog vielleicht schonmal gesehen:

Coromandel Halbinsel - Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel – Cathedral Cove

Das ist Cathedral Cove östlich von Auckland auf der Coromandel-Halbinsel, ganz in der Nähe der Kleinstadt Hahei. 2010 bin ich dort das erste Mal während eines Roadtrips vorbeigekommen und bereits damals war ich sehr angetan von der Ruhe, aber auch von dem Anblick der Natur, den man dort zu sehen bekommt. Auf dem Weg dorthin fährt man eine ganze Weile parallel zum Meer, kommt an kleinen Buchten und Städten vorbei, bevor die Straße plötzlich ins Inland abbiegt und sich durch die mit Farnen bewachsenen Berge schlängelt. Ständig ist man umgeben vom Blau des Wassers, dem Grün der Pflanzen und man möchte meinen, dass die daraus entstehende innere Ruhe ein Spiegelbild der äußeren Umgebung ist. Auch 6 Jahre danach fühlt es sich immer noch genauso gut an. Und obwohl die Kombination aus Neugier und die ständige Suche nach Neuem der Antrieb für viele Reisende ist, gibt es Orte, von denen man gar nicht will, dass sie sich verändern, weil sie einem genau dann einen Rückzugsort bieten, wenn man beispielsweise Veränderungen ausgesetzt ist, auf die man womöglich keinen Einfluss hat, oder man sich schlicht und ergreifend eine wohltuende Auszeit nehmen möchte. Die Cathedral Cove ist seither so ein Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkehre, sei es tatsächlich oder auch nur gedanklich im Alltag.

Neuseelands Nordinsel - Cathedral Cove
Neuseelands Nordinsel – Cathedral Cove

Was man für eine Reise nach Neuseeland braucht? Zeit!

Die Autofahrt von Auckland bis zur Cathedral Cove dauert gut 2,5 Stunden, was vor allem daran liegt, dass man in Neuseeland maximal 100 km/h „schnell“ fahren darf. Und ja: Während der Fahrt wirkt es manchmal langsam und langatmig, aber bei den teilweise recht engen und kurvigen Streckenabschnitten, vor allem in den Bergen, kann es dennoch ziemlich abenteuerlich werden. Jedoch verspürt man nach einer Weile auch nicht mehr das Verlangen, sich schnell fortzubewegen, weil die simple Phrase „Der Weg ist das Ziel“ durch die Landschaft, die man durchquert, ungemein an Bedeutung gewinnt. Genauso verändert sich auch die Wahrnehmung von Zeit, weil es nicht mehr um die Dauer geht, um von A nach B zu gelangen, sondern um das Erlebte und die Aussicht währenddessen.

Sobald man Auckland hinter sich gelassen hat, ist man von grünen Feldern umgeben, die Menschen werden weniger, die Schafe und Kühe werden dafür umso mehr und der Verkehr reduziert sich auf ein Minimum. Was eben noch eine herkömmliche Autobahn war, nennt sich jetzt zwar immer noch Autobahn, lässt sich aber bestenfalls mit einer groben Landstraße vergleichen, die von Kleinstadt zu Kleinstadt führt. Orte mit Namen wie Mangatawhiri (kleiner Tipp: die Buchstabenkombination „wh“ wird wie ein „f“ ausgesprochen), Maramarua und Waitakaruru erscheinen zunächst ungewohnt, lassen aber unzweifelhaft den Einfluss der Maori erkennen, deren Kultur zu Beginn der britischen Kolonialzeit zwar unterdrückt wurde, mittlerweile aber wieder an Bedeutung zunimmt.

Zwischendurch, nach einigen gefahrenen Kilometern durch sattes Grün, vorbei an kleinen Farmen, Weiden und abgeschiedenen Häusern, drängt sich immer mal wieder die Frage auf „Wie kommt es, dass sich jemand dazu entscheidet, in aller Abgeschiedenheit und mitten im Nirgendwo zu leben?“, aber eine endgültige Antwort bleibt aus. Zumindest ist es kein Geheimnis, dass die Kiwis und gerade die Maori sehr naturverbundene Menschen sind, die unter anderem aus diesem Grund als Landwirte arbeiten und auch ihre Freizeit am liebsten mit Aktivitäten in der Natur verbringen, was vielleicht als ein Erklärungsansatz dienen kann. Bei der vielfältigen Landschaft, den unterschiedlichen Klimazonen und den damit verbundenen Möglichkeiten ist das aber auch nicht allzu verwunderlich.

Hot Water Beach und Cathedral Cove

Nach einem kurzen Streckenabschnitt entlang der Küste, führt die Straße in die Berge des Coromandel Forest Park, wo man, begleitet von dunklen Felswänden und der immergrünen Vegetation, den Weg bis zur Küste auf der anderen Seite der Halbinsel fortsetzt. Auf der Route zur Cathedral Cove liegt der sehr beliebte Hot Water Beach, an dem man sich während der Ebbe mit einer Schaufel ein kleine Grube im Sand graben kann, um somit an das heiße Thermalwasser zu gelangen, welches sich darunter verbirgt. Wem das gelingt, dem winken zumindest ein paar Stunden Entspannung im eigenen, mit heißem Wasser gefüllten Pool, aber spätestens mit der Flut ist es mit der schönen Zeit auch wieder vorbei, da die Wassertemperaturen in Neuseeland selbst im Sommer nicht zum ausgiebigen Schwimmen im Meer einladen.

Coromandel Halbinsel - Hot Water Beach
Coromandel Halbinsel – Hot Water Beach

Kurz nach Hahei erreicht man den öffentlichen Parkplatz, der als Ausgangspunkt für einen ca. 30-minütigen Spaziergang durch einen Farnwald bis hinunter zum Strand dient. Und schon von einem der Aussichtspunkte lässt sich, vor allem bei gutem Wetter, erahnen, was einen am Ende des Weges erwartet: Das Meer in nahezu all seinen Blautönen, dazu das Rauschen der Wellen und der feine Sand, der im Zusammenspiel von Sonne und Wasser manchmal fast wie Gold aussieht. Sobald man am Strand angekommen ist, und dann noch das Glück hat, nur wenige andere Besucher zu Gesicht zu bekommen, entfaltet sich die ganze Schönheit der Cathedral Cove.

Coromandel Halbinsel - Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel – Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel - Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel – Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel - Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel – Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel - Cathedral Cove
Coromandel Halbinsel – Cathedral Cove

Es ist wenig überraschend, dass dieser malerische Ort so viele Menschen anzieht und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ein Ort, der durch sein reines Dasein viel mehr zu geben vermag, als man zunächst glauben möchte. Als würde etwas zu einem sagen „Bleib stehen, atme tief durch und erfreu dich am Stillstand.“ Wer sich vorab in Hahei ein paar Dinge für ein Picknick kauft und sich anschließend etwas Zeit nimmt, der verlässt die Cathedral Cove mit dem Gefühl, weitaus mehr für sich mitgenommen zu haben als eine schöne Aussicht und ein paar nette Urlaubsfotos: Es ist ein Bewusstsein für die Einzigartigkeit eines Moments oder eines Ortes, der uns das Gefühl von Glück verschafft, das fortan Teil unserer Erinnerung ist. Je mehr wir Erlebnisse dieser Art sammeln, desto öfter erleben wir sie im Alltag wieder und können dadurch auf Dauer für mehr Glücksmomente sorgen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close