Nach ein paar Tagen in Auckland, Tauranga, Rotorua und bei Cathedral Cove fehlte also noch ein Abstecher nach Wellington, um die zweiwöchige Rückkehr nach Neuseeland abzurunden, bevor es zurück in die USA ging. Natürlich gibt es allein auf der Nordinsel noch unzählige weitere Highlights zu entdecken, aber leider sind 2 Wochen in Neuseeland eine relativ kurze Zeit, vor allem dann, wenn man Familie besucht. Jammern auf hohem Niveau, ich weiß.

Durch den diesmal kurzen Aufenthalt war ein Roadtrip nach Wellington mit mehreren Stopps leider keine Option. Sicherlich kann man die Strecke auch in einer Tour fahren, aber 8 oder mehr Stunden hinter dem Steuer zu verbringen ist erstmal ziemlich uncool und noch fieser wird es, wenn man weiß, dass es auf dem Weg so viel Sehenswertes gibt. 2010, während meiner Zeit als Work&Travel-Touri, bin ich die Strecke Wellington-Auckland mal mit einem Freund und unserem Campervan „Robbie“ gefahren. Wir fuhren die ganze Nacht (wenig clever, weil dunkel), wechselten uns immer brav ab (ein bisschen cleverer), haben aber gerade wegen der Dunkelheit natürlich nichts von der Landschaft gesehen (Cleverness-Faktor: minus 1 Mio.). Rund um den Lake Taupo waren die Straßen mit Schnee bedeckt, teilweise auch nur einspurig und kurz vor Auckland hat mich der Sekundenschlaf dann auch noch fast auf eine Wiese fahren lassen. Prädikat: Blöd und nicht sehr empfehlenswert. Ansonsten (und mit einem Hauch Cleverness bei der Planung) hat man auf der Fahrt die Möglichkeit, so schöne Gegenden wie Taranaki samt Mount Taranaki (a.k.a. Mount Egmont), den Tongariro Nationalpark oder eben Rotorua im Herzen der Nordinsel zu besuchen.

Aber wie gesagt: Diesmal war die Zeit knapp und so fiel die Wahl auf einen Inlandsflug mit den Freunden von Air New Zealand. Gerade innerhalb Neuseelands macht es noch mehr Spaß als üblich durch die Gegend zu fliegen, was vor allem an der Kiwi-Crew liegt, die ihrem ausgezeichneten Ruf mal wieder alle Ehre gemacht hat: Die Fluggäste wurden herzlich, teilweise sogar per Handschlag begrüßt, der Service an Bord war klasse und auch für das ein oder andere nette Gespräch war während des Fluges Zeit. Apropos nett: Auf diesem Wege möchte ich mich noch bei meinem Sitznachbarn entschuldigen, den ich fälschlicherweise und relativ laut als „sch*** Wichtigtuer“ abgetan habe. Allerdings stellte sich heraus, dass er ebenfalls aus Deutschland kommt (Boing!) und doch relativ sympathisch ist. Mein Fehler. Mittlerweile sind wir aber auf Facebook befreundet, also alles supi.

Windy Welly

Auf dem Weg in die neuseeländische Hauptstadt erblickt man aus der Luft sogar mit etwas Glück den Mount Taranaki, bevor einem unter Umständen beim Landeanflug das erste Mal bewusst wird, warum Wellington auch „Windy Welly“ genannt wird. Generell weht die meiste Zeit ein frischer Wind durch die Stadt, den die Einwohner grob in 2 Kategorien einordnen: Nord- und Südwind. Der Wind aus nördlicher Richtung gilt gemeinhin als recht harmlos. Kommt der Wind allerdings aus dem Süden, kann es sein, dass er seinen Ursprung in der Antarktis hat und es deswegen mitunter sehr, sehr kalt werden kann. Und weil der Flughafen in Wellington direkt am Meer liegt und die Windrichtungen gerne und plötzlich wechseln, ist manchmal auch der Landeanflug eine ziemlich spannende und wackelige Angelegenheit. Bei so manchem Passagier ist nach der geglückten Landung deshalb erstmal tiefes Durchatmen vonnöten. Aber genug Wind ist ja glücklicherweise vorhanden.

Kann man mal in Wellington machen

Auch wenn Wellington selbst im Sommer nicht mit allzu hochsommerlichen Temperaturen lockt, verbringt man die sonnigen Tage dennoch am besten im Freien. Gerade die zahlreichen Strände und Buchten in der Umgebung sind ideal für Spaziergänge, Wanderungen oder Ausflüge mit dem Boot oder einem Kajak. Wer will (und die trotz Neoprenanzug bitterkalten Wassertemperaturen erträgt), der geht mit ortskundigen Wellingtoniern auf die Jagd nach einer neuseeländischen Delikatesse, den Abalonen, auch Paua genannt. Allerdings handelt es sich nicht per se um eine Jagd, weil Abalonen lediglich Muscheln sind, die sich an Felsen im Wasser heften und darauf warten, geerntet zu werden. Und wer kein Fan von Seafood ist, der kann wenigstens die auf den ersten Blick unscheinbaren Muschelschalen sammeln, polieren und sich über ein nettes Erinnerungsstück freuen.

Polierte Schale einer Abalone/Paua
Polierte Schale einer Abalone/Paua

Bei einem Spaziergang entlang der Strände kann es durchaus passieren, dass einem Robben, Seelöwen oder gar Pinguine über den Weg laufen, die sich in den Gewässern vor der Küste tummeln. Vor allem an der Südspitze, im Red Rocks Reserve, stehen die Chancen ziemlich gut, dass man ein paar der Tiere zu sehen bekommt. Bei gutem Wetter sieht man von dort sogar die nördliche Spitze der Südinsel. An dieser Stelle noch ein kleiner Überlebenstipp für den Fall, dass du mal auf einen der wilden Meeressäuger triffst: NIEMALS (wie in „NIEMALS“) den Weg zwischen einem Seelöwen und dem Wasser blockieren! Eine Begegnung in Tauranga hat mich gelehrt, dass die Viecher aus der Entfernung schön anzusehen sind, aber sobald sie sich grunzend und mit lautem Getöse auf einen zubewegen, ist es mit der Herrlichkeit schnell vorbei. Und sie stinken unheimlich fischig.

Der Herr der Ringe, Botanischer Garten und Te Papa Museum

Der ein oder andere weiß sicherlich, dass die Herr der Ringe-Filme eigentlich Landschaftsdokumentationen sind, wo hin und wieder jemand durchs Bild reitet und der Opa mit dem Stock Zauberkräfte hat. Was aber im Gedächtnis bleibt, sind die eindrucksvollen Landschaftspanoramen der Südinsel sowie das eigens für die Filme gebaute Hobbiton in der Nähe von Matamata. Aber auch in Wellington und Umgebung gibt es so manche Herr der Ringe-Drehorte, die man entweder selber oder im Rahmen einer geführten Tour besuchen kann. Und schon bei der Ankunft am Flughafen taucht man unmittelbar in das Reich von Mittelerde ein.

Flughafen Wellington
Flughafen Wellington
Flughafen Wellington
Flughafen Wellington

Für die volle Herr der Ringe-Erfahrung lohnt es sich auch unbedingt in den Filmstudios von Peter Jackson im Stadtteil Miramar vorbeizuschauen, die übrgens auch für die wechselnden Ausstellungen am Flughafen verantwortlich sind. In den sogenannten Weta Studios bzw. im Weta Cave bekommt man Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen, es gibt eine Ausstellung mit Filmrequisiten und wer will, kann sogar ein paar der teils seltenen Nachbildungen kaufen.

Wellington Botanic Garden

Oberhalb des Central Business District liegt der Wellington Botanic Garden. Nicht nur der grandiose Ausblick über die Bucht und den Großraum Wellington, die teils exotischen Pflanzen und das bunte Blumenmeer im Rosengarten locken jährlich Scharen von Blumenkindern an. Vor allem die kurze Fahrt mit dem Wellington Cable Car aus dem Stadtzentrum heraus hat es vielen Besuchern angetan (sofern man die etwas versteckte Haltestelle findet). Eine feine Alternative um dem Gewaltmarsch durch die hin und wieder sehr steilen Gassen zu entgehen.

Wellington Cable Car
Wellington Cable Car
Ausblick vom Wellington Botanic Garden
Ausblick vom Wellington Botanic Garden
Wilde Bestie im Wellington Botanical Garden
Wilde Bestie im Wellington Botanical Garden

Te Papa Tongarewa Museum

Das Nationalmuseum Te Papa Tongarewa gehört zu einem meiner absoluten Lieblingsorte in Wellington. Hier kann man Stunden damit verbringen, die Geschichte Neuseelands kennenzulernen. Von der Entstehung der Landmasse über die Besiedelung durch die Maori und die Kolonialisierung durch die englische Krone bis hin zur Moderne wird die noch recht junge Geschichte dieser Nation in teils interaktiven Ausstellungen veranschaulicht.

Te Papa Tongarewa
Te Papa Tongarewa

Besonders beeindruckend ist auch der 10 Meter lange Riesenkalmar, der Fischern zufällig in der Antarktis ins Netz ging und zunächst im Museum untersucht wurde, um ihn anschließend in einem Glasbehälter zu konservieren und auszustellen. Auch ein vollständiger Marae der Maori ist Teil der Sammlung und darf sogar betreten werden. Im Souvenirshop gibt es neben Postkarten und Büchern einige Schätze zu kaufen, darunter kunstvolle Anhänger mit Maori-Symbolen aus Jade.

Marae im Te Papa Tongarewa
Marae im Te Papa Tongarewa

Rund um das Museum, das direkt am Wasser liegt, gibt es eine Promenade mit einiges Cafés und Restaurants, wo auch viele Wellingtonier gerne eine Runde laufen gehen (Stichwort „Sport“, nicht „Flucht vor XY“) oder ihre Mittagspause bei einer frischen Meeresbrise verbringen. Mit einem kleinen Imbiss und einem halben Liter Espresso in der Hand ist das natürlich auch für jeden anderen ein schöner Fleck, um eine Pause einzulegen und dabei die schöne Aussicht zu genießen.

Te Papa, Yachthafen und Bucht von Wellington
Te Papa, Yachthafen und Bucht von Wellington
Wellington Promenade und Central Business District
Wellington Promenade und Central Business District
Wellington Promenade und Central Business District
Wellington Promenade und Central Business District

Was gab es zu essen? Einmal alles

Was wäre eigentlich eine Reise, ohne sich auf die heimische Küche eines jeweiligen Landes zu stürzen? Ein traurige Angelegenheit, oder? Für mich ist es beispielsweise undenkbar, nicht alles zu probieren, was ich noch nie gegessen habe. Mir bekannte Sachen esse ich natürlich auch, schließlich ist Essen doch ein wesentlicher Aspekt der Identität einer Kultur. In Wellington kann man übrigens ausgezeichnet essen, denn die Einflüsse aus Übersee sind groß und die Vielfalt dementsprechend auch. Eine gute Quelle, um sich einmal durch das kulinarische Angebot durchzuprobieren, ist der Capital Market im Herzen Wellingtons. Food Courts kommen mir immer sehr gelegen, weil ich ein großer Fan der meist sehr leckeren, kreativen und zum Teil außergewöhnlichen Snacks bin. Und vor allem: Man kann essen, bis einem schlecht wird (was häufiger passiert, als ich an dieser Stelle zugeben werde). Bei Reisen nach Neuseeland ist einer meiner Favoriten das ‚Steamed Pork Bun‚, ein gedämpftes Brötchen mit einer Füllung aus mariniertem Schweinefleisch. Sieht recht unscheinbar aus, die Kombination aus Stärke und Fett schmeckt dafür umso besser. ‚Butter Chicken‚, ein Klassiker der indischen Küche, lasse ich mir auch nie entgehen, vor allem weil ich in Deutschland noch kein gutes indisches Restaurant gefunden habe. Großes Bollywood-Kino! Zu guter Letzt: ‚Popcorn Chicken‚. Frittiertes Huhn in einer leicht scharfen Orangen-Zucker-Marinade und mit Sesam bestreut (vermutlich für die Gesundheit). Ein perfekter Mittag!

Steamed Pork Bun
Steamed Pork Bun
Butter Chicken
Butter Chicken
Popcorn Chicken
Popcorn Chicken

Wer viel durch die Stadt läuft, darf auch viel essen. Ein Abstecher auf Wellingtons Cuba Street mit den vielen kleinen Geschäften und Cafés darf dabei natürlich nicht fehlen. Über Lambton Quay und den Civic Square mit der schwebenden Silberfarn-Metallkugel ging es letztendlich zu Five Boroughs, das, wie der Name schon vermuten lässt, klassischen New Yorker Delis nachempfunden wurde. Und was gibt es dort traditionellerweise? Pastrami Sandwiches! Ein Imbiss, nach dem ich auf der ganzen Welt Ausschau halte und von dem ich gerne jede Variante probiere. Und auch in diesmal wurde ich nicht enttäuscht.

Pastrami Sandwich
Pastrami Sandwich
Pastrami Sandwich
Pastrami Sandwich
Onion Rings
Onion Rings

Mit einer Fahrt zum Mount Victoria, von wo aus man einen wunderbaren Blick über Wellington hat, endete mit dem Sonnenuntergang auch so langsam die Wiederentdeckungstour in Wellington und die Rückkehr nach Neuseeland. Ein paar Tage in Auckland bei der Familie sollten vor dem Rückflug nach Kalifornien noch folgen.

Mount Victoria
Mount Victoria

Auch in Wellington habe ich mich wieder gefühlt, als wäre ich zu Hause, als würde ich hierher passen. Aber auch der Eindruck, dass die Zeit viel zu kurz gewesen ist, war der Gleiche. Es scheint so, dass es egal ist, wieviel Zeit man in Neuseeland verbringt: Es reicht nie aus. Man muss einfach immer wiederkommen. Und obwohl die Rückkehr von kurzer Dauer war, freue ich mich noch bis heute, dass sie überhaupt möglich war. Und mit der Aussicht auf 10 weitere Tage in Kalifornien, Las Vegas und den Rückflug in der First Class der Lufthansa war der Abschiedsschmerz halbwegs erträglich. Ich versprach mir jedoch, dass es nicht nochmal 6 Jahre dauern würde, bis wir uns wiedersehen.

Ein paar Tage später. Flughafen Auckland. Ein früher Nachmittag im Juli bei bewölktem Himmel. Auf einem Bildschirm am Gate schimmert stumm die Flugnummer QF3225. Die Rückkehr nach Hause hat ihr Ende gefunden. Nächstes Ziel: Kalifornien.

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