Frankfurt. 4:30 Uhr morgens. In einem Hotelzimmer in der Nähe des Flughafens klingelt der Wecker. Der Wecker für ein besseres Leben. Okay, eventuell ein bisschen zu viel Pathos an dieser Stelle. Nichts desto trotz versprach es ein aufregender Tag zu werden, denn die Zeit war reif für den ersten Aufenthalt im hochgelobten („Die haben da superviel Schnaps!“) First Class Terminal der Lufthansa, gefolgt vom ersten Flug in der First Class. Von Freunden, die dieses Spektakel teilweise schon öfter erleben durften, habe ich nur gute und auch beeindruckende Geschichten gehört. Ich war also ziemlich gespannt!

Einchecken in Düsseldorf

Zunächst jedoch ein kleiner Rückblick. Ungefähr zwölf Stunden zuvor, bewaffnet mit einem Ticket und einem Reisepass, war der Augenblick gekommen, um für die Operation „Wichtigtuer“ einzuchecken. Der erste Flug von Düsseldorf nach Frankfurt fand zwar „nur“ in der Business Class statt (Bah!), aber durch das First-Class-Ticket war schonmal der Check-In am dazugehörigen First-Schalter gestattet. Während die übrigen Schalter ziemlich gut besucht waren, herrschte hier dagegen traumhafte Leere. Niemand betrat den (tatsächlich) roten Teppich, es gab keine Schlange mit Menschen, die mich mit ihrer Ahnungslosigkeit oder letzten Packversuchen zur Tobsucht trieben und selbst die Madame hinter dem Schalter schien sich zu freuen, als sie etwas zu tun bekam. Zugegeben: Es fühlte sich schon ein wenig besonders an, sich dort anstellen zu können. Nicht, weil ich mich selber für besonders halte, aber ich war froh, auf diesem Weg den übrigen Massen entgehen zu können. Die umherstehenden Menschen wunderten sich dafür umso mehr, als ein offensichtlich heruntergekommener Mann auf einen Schalter zuwankte, der sonst wohl eher den oberen Zehntausend vorbehalten bleibt. „Schönen guten Abend, was kann ich für Sie tun?“ war von der anderen Seite aus einem lächelndem Gesicht zu hören. „Scheinbar sind wir hier am Flughafen. Was glauben Sie?“ dachte ich mir. Da ich jedoch gut gelaunt war und die Nächstenliebe die Tiefe meines Herzens ihr zu Hause nennt, beließ ich es bei einem „Ich würde gerne einchecken.“ Gesagt, getan. Jetzt hielt ich tatsächlich mein erstes First Class Ticket in der Hand. Und ich verspürte sogar ein wenig Aufregung! Leider wusste ich aber auch, dass ich ab sofort nie wieder normal werden würde.

Ein kurzer und dennoch lehrreicher Flug nach Frankfurt

Nach dem anschließenden Besuch der Sicherheitskontrolle (natürlich per Fast Lane für die heilige Wichtigkeit) und einem Abstecher in die Senator Lounge der Lufthansa, wo selbst die Damen am Empfang sich über das vorgezeigte Ticket gefreut haben („Hach, mit so einem Ticket ist die Vorfreude auf den Urlaub bestimmt noch größer. Das hätte ich auch gerne mal.“), begann auch schon das Boarding für den kurzen Flug nach Frankfurt. Sehr praktisch ist, dass man als erster einsteigen darf und den Platz in den Gepäckfächern nicht mit Hilfe von wohlgemeinten Kopfnüssen verteidigen muss. Ansonsten ist die Business Class schon ein kleiner Hauch von einer anderen Welt, wenn man sonst nur Economy fliegt. Man wird mitunter mit Namen angesprochen („Für Sie immer noch Graf von Zimmermann!“), es gibt ordentlich serviertes Essen auf anständigem Geschirr, dazu Besteck, Gläser etc. und auch das Personal wirkt wesentlich freundlicher. Besonders gut gefällt mir, dass der Mittlere der drei vorhandenen Sitzplätze stets freigehalten wird und man dadurch seine Ruhe vor anderem mitfliegendem Gesindel hat. Das Austeilen des Abendessens, was sicherlich gut gemeint war, machte in meinen Augen und bei einer Flugdauer von nur 55 Minuten, wo ja noch zusätzlich Zeit während Steig- und Sinkflug vergeht, nur begrenzt Sinn. Dass mir sowas jemals über die Lippen kommen würde! Da aber folglich die Zeit für ein ansehnliches Abendessen ziemlich knapp bemessen war, artete es zu einer Art Schlangenfütterung aus. Frei nach dem vielzitierten Motto „Wer kaut, verliert.“ Naja, immerhin etwas über Schlangen gelernt. Welch schöne Bildungsreise!

Empfang im First Class Terminal

Zurück im Hotel am Frankfurter Flughafen. Mit einem Shuttlebus ging es zum Terminal 1 und von da aus war es nur noch ein kurzer Fußweg bis zum Eingang des First Class Terminal. Dort betritt man zunächst ein kleines, eher unscheinbares Foyer, wo lediglich ein Aufzug darauf wartet, bedient zu werden. Eine Etage weiter oben wird man unmittelbar nach dem Verlassen des Fahrstuhls von einer überaus freundlichen Hostess in Uniform begrüßt, die sich namentlich vorstellt, die Passagiere willkommen heißt und diese vor dem Betreten des Terminals zur Sicherheitskontrolle begleitet. Auch hier merkte man wieder deutlich, dass es sich nicht um die übliche 0815-Kontrolle wie sonst auch handelte. Da vermutlich überwiegend wichtige Menschen durch diese Hallen schlurfen, hat sich selbst das Personal der Bundespolizei einen fast unterwürfigen Ton zugelegt. Zu meiner großen Verwunderung wünschte jeder der Beamten nicht nur einen guten Morgen, sondern man bedankte sich sogar nach der Kontrolle bei den Passagieren! Wie falsch sich sowas dann auf einmal anfühlt, wenn man für gewöhnlich nur wie ein x-beliebiger Terrorist behandelt wird. Ich glaube, ich war den Tränen nah. Gerührt bedankte ich mich ebenfalls, wünschte jedem einen wundervollen Tag und blickte mehrmals mit einem Lächeln zurück und winkte dabei verlegen. So oder so ähnlich ist es bestimmt passiert.

Ein Erlebnis auf 1.800 Quadratmetern

Tatsächlich passiert ist vielmehr das Folgende: Die nette Hostess (ich meine, sie hieß Frau Pferd; sah zumindest ein wenig so aus wie eins) ging groteskerweise davon aus, dass ich mich vor Ort auskennen würde, weil ich sicherlich schon öfter zu Besuch war. Halbwegs souverän wusste ich es zu verneinen, was zur Folge hatte, dass mir eine silberne Badeente überreicht wurde, die scheinbar jeder Passagier bekommt, der hier sein erstes Gastspiel gibt. Mit einer unvergleichlichen Glanzleistung spielte ich Dankbarkeit vor, suchte aber bereits während meiner Darbietung einen Mülleimer zwecks Entsorgung. Wir passierten den Empfangsbereich, wo weitere Hostessen auf ankommende Passagiere warteten, und kurz darauf standen wir auch schon mittendrin im Herzen des First Class Terminals. Eines wurde mir sofort klar: Für die paar Figuren ist hier aber eine Menge Platz! Zu meiner Linken gab es Arbeitsbereiche, Massagestühle, ein Wasserspiel und Sitzecken mit feinsten Ledersesseln. Zu meiner Rechten gab es zusätzliche Sitzmöglichkeiten, dazu die durchaus ziemlich gut ausgestattete Bar, das großzügige Buffet sowie das à la Carte Restaurant, eine Zigarrenlounge (ebenfalls mit einer Bar), Schlafräume und Badezimmer. All das aufgeteilt auf 1.800 Quadratmeter (!). Auf jedem Tisch standen zahlreiche Snacks bereit und wenn es an etwas fehlte, konnte man sich stets an das freundliche Personal wenden, das überall herumwuselte. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt hier bei uns. Wenn ich irgendwas für Sie tun kann, lassen Sie es mich bitte wissen. Sobald das Boarding beginnt, hole ich Sie ab und begleite Sie auf dem Weg zum Flugzeug“ waren bis zum Boarding tatsächlich die letzten Worte von Frau Pferd und endlich konnte ich neugierig überall herumschnüffeln.

First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal
First Class Terminal

Zuerst zählte ich aber einmal durch und stellte fest, dass sich lediglich sechs Passagiere im Terminal aufhielten. Durchaus exklusiv. Alle verhielten sich angenehm ruhig und niemand war extravagant gekleidet oder fiel irgendwie anders auf. Da ich mich dem erlesenen Kreis anpassen wollte, trank ich zunächst ein paar Tassen Espresso, wechselte zu Champagner, lief danach aufgedreht einige Kilometer durch das Terminal, wechselte zu Gin Tonic und zur Beruhigung nippte ich noch an ein paar teuren Whiskies in der Zigarrenlounge. Und siehe da: Noch keine 10 Uhr morgens und ich war der fröhlichste Mensch im Lande! So gingen auch die drei Stunden bis zum Flug recht schnell vorbei, ehe Frau Pferd darauf hinwies, dass es an der Zeit war um den Flieger zu besteigen.

Ganz normal: Mit dem Porsche zum Flieger

Mit dem Aufzug fuhren wir eine Etage tiefer, wo weitere Beamte der Bundespolizei warteten, um die finale Passkontrolle zu machen. Hier verabschiedete sich die gute Frau letztendlich, wünschte eine angenehme Reise und begab sich auf den Rückweg. Jetzt ist es ja so, dass für Passagiere der First Class ein paar andere Regeln gelten. Natürlich geht man nicht mit dem restlichen Volk an Bord, denn das wäre ja pfui. Und weil die diamantbesetzten Elfenbeinschuhe so schwer sind, wäre es ja geradezu fahrlässig, wenn man die Elite-Passagiere, ach was sag ich, Elite-Menschen zu Fuß laufen lassen würde. Also passierte es wie folgt: Nachdem sich noch ein weiterer Passagier für den selben Flug dazugesellt hatte, wurden wir nach der Sicherheitskontrolle von einer Fahrerin abgeholt, die uns standesgemäß in einem Porsche zum Flugzeug fuhr. Als wir da so im Auto saßen, fragte der zusätzliche Passagier entgegen all meiner Erwartungen, ob es in Ordnung sei, wenn er kurz telefonieren würde. Hier hatte jemand den Knigge gelesen. Ich weinte vor Freude in mich hinein. Großzügig und mit einem Hauch Arroganz (um cool zu sein) stimmte ich still mit einem Nicken zu. Wie sehr mich diese Reise doch schon verdorben hatte…Nach kurzer Fahrt hielten wir unterhalb des Flugzeugs an und wurden von der Fahrerin zu einem Aufzug eskortiert, wo wir Teil eines Zoobesuchs wurden. Da wir als Passagiere der First Class angekündigt wurden, war für den Rest der Passagiere erstmal Feierabend. Alle standen in einem schmalen, durch die Sonne aufgeheizten und stickigen Gang und an den Gesichtern ließ sich ablesen, das einige doch sehr genervt waren. Woher ich das weiß? Naja, der Aufzug und die Treppe zum Flieger wurden nur durch eine große Glasscheibe getrennt, weshalb ich mich auch wie ein Elefant im Zoo gefühlt habe, den aber alle herzlich scheiße fanden, weil er versehentlich kurz zuvor ein Kind kaputtgetrampelt hat (oder was auch immer). Jedenfalls spürte ich eine Menge Zorn von der anderen Seite der Glasscheibe. Ich wusste nicht, ob ich mich verbeugen oder entschuldigen soll, also wandte ich mich im vollen Bewusstsein meines Pseudo-VIP-Status ab und bestieg den Fahrstuhl. Oben angekommen, wurde jeder Passagier persönlich und namentlich vom Purser und den Crewmitgliedern begrüßt und anschließend zum Sitzplatz begleitet, wo bereits Champagner, Macadamianüsse und eine rote Rose warteten.

Lufthansa First Class
Lufthansa First Class
Lufthansa First Class
Lufthansa First Class
Lufthansa First Class
Lufthansa First Class

Die vergangenen Stunden haben bereits alles übertroffen, was ich mir vorher ausgemalt habe. Wie kann es jetzt auch nur ansatzweise so gut weitergehen? Eine völlig unbegründete Sorge wie sich herausstellen sollte, denn auf mich warteten die zehn schönsten Stunden, die ich je in einem Flugzeug erlebt habe!

Den Anfang verpasst? Hier geht’s los! Lufthansa First Class

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2 Gedanken zu “Das Lufthansa First Class Terminal in Frankfurt

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