Masau Al-Khair („Guten Tag“) aus Abu Dhabi

Ungefähr 1,5 Stunden nach der Abfahrt aus Dubai und pünktlich zur besten Mittagshitze hatte ich das Park Hyatt Abu Dhabi auf Saadiyat Island erreicht. Ringsherum um das Hotel befindet sich noch vieles im Bau, darunter kulturelle Einrichtungen wie das spektakuläre Louvre Abu Dhabi, das Zayed National Museum und das Guggenheim Abu Dhabi, sowie weitere Hotel- und Wohnanlagen für die Herrschaften von und zu Etepetete. Von außen macht das sandfarbene Gebäude einen recht unscheinbaren Eindruck und man erwartet nicht auf Anhieb, dass sich im Inneren ein 5-Sterne Hotel befindet. Eine Behörde vielleicht, ein Ministerium oder ein schönerer Bunker, ja. Irgendwas, was mit Krieg zu tun hat. Aber weit gefehlt.

Nachdem ich das Auto in der Vorhölle von Tiefgarage geparkt hatte, ging es mit dem Aufzug in das klimatisierte Innere des Gebäudes. Allerspätestens hier wurde jegliches Vorurteil entkräftet, welches ich mir so mühsam bei der äußerlichen Betrachtung des Kastens zusammengeschustert hatte: Zwar dominierte in den Gängen noch dunkles Holz, jedoch erstrahlte die Lobby im Gegensatz dazu in natürlichem Licht. Der hohe Raum samt der kunstvollen Deckenkonstruktion, ein Abbild der wellenartigen Dünenwanderung, Wasserspielen, arabischen Kunstgegenständen und komfortablen Sitzmöglichkeiten sorgten schnell für ein Gefühl der Entspannung. Eine Fensterfront gestattete einen ersten Überblick über den Pool und die Gartenanlage. Gefühlt 50 Prozent aller Marmorvorkommen des Planeten wurden in den Böden verarbeitet, was eine gewisse Ungläubigkeit zur Folge hatte.

Park Hyatt Abu Dhabi - Lobby
Park Hyatt Abu Dhabi – Lobby

Das Personal begrüßte die ankommenden Gäste freundlich, sogar authentisch-schüchtern und war bei aller Zuvorkommenheit angenehm unaufdringlich. Das anschließende Vorsprechen an der Rezeption war von nicht allzu langer Dauer, denn zu diesem Zeitpunkt hatte der aus Deutschland stammende Florian Dienst und dementsprechend effizient lief die Veranstaltung ab. Nach dem Check-In werden die Gäste von den Pagen ins Zimmer begleitet, um sich dort die Einrichtung und die Bedienelemente zeigen und erklären zu lassen. Zwar geht das Gerücht um, dass ich in der Lage bin, Lichtschalter und ähnliche Dinge zu bedienen, aber wieso sollte ich nicht ausnahmsweise mal so tun, als sei ich ein netter Gast und Menschenfreund? So folgte ich dem immer lächelnden Grinsebert (Name entspricht evtl. nicht seiner indischen Herkunft) und wir machten uns auf den Weg in Richtung Zimmer, wobei Grinsebert es vorzog, den Weg vor sich hin zu stolpern, da er ja unbedingt den Koffer nehmen wollte, der ungefähr genauso viel wog wie er selber und dabei nur minimal kleiner war. Ich habe übrigens WIRKLICH („Wirklich“ wie in dem Satz „Ich hätte WIRKLICH gerne mehr von dem Gemüse auf meinem Teller.“) überlegt ihm den Koffer abzunehmen, aber einerseits war es schon ziemlich lustig und im Urlaub soll man ja bekanntlich eine gute Zeit haben, und auf der anderen Seite war er ein stolzer Kofferkrieger, der die Herausforderung gesucht (und gemeistert) hat.

Das soll ein Zimmer sein? Lächerlich. Das ist ein Apartment!

Nach wenigen Geh- und Stolperminuten stand ich mit meinem neuen Freund aus dem Reich der guten Laune schließlich vor der Zimmertür. Für mich eigentlich einer der Momente mit der größten Vorfreude, vor allem wenn ich zum ersten Mal in einem Hotel bin. Jetzt bin ich aber blöderweise nunmal eine Geisel meiner Existenz und halte deswegen grundsätzlich herzlich wenig von irgendwelchen Überraschungen. Also schaue ich mir vorweg so viele Fotos und Videos wie möglich von den entsprechenden Hotels und Zimmern an, um den Überraschungsmoment so gering wie möglich zu halten. Und trotzdem sieht die Realität vor Ort meist ein wenig anders aus.

Zumindest was den Zimmertyp angeht, sollte es aber diesmal keine allzu große Überraschung werden. Hyatt Diamond-Mitglieder (Willkommen in der Welt der Pseudo-Schnöselei) bekommen einige Annehmlichkeiten hinterhergeworfen. Neben dem garantierten Upgrade auf die höchste Zimmerkategorie (exklusive Suiten), dem Late-Checkout bis 16 Uhr und den Bonuspunkten besteht der spannendste Statusvorteil sicherlich aus den sogenannten Suite-Upgrades. Bedeutet: Wann immer man eine beliebige Zimmerkategorie bucht, kann man sich selber mittels dieser Suite-Upgrades in eine (Achtung: Überraschung!) Suite upgraden. So wird man beispielsweise in den Park Hyatts automatisch in eine Park Suite verfrachtet und auch diesmal war das der Fall.

Bis dato war der Grundgedanke beim Spoilern meiner eigenen Erwartungen „Och, das sieht ja alles ganz nett aus“, was sowohl Raum für erfreuliche Überraschungen als auch für Enttäuschungen ließ. Was ich dann aber nach dem Öffnen der Zimmertür zu sehen bekam, ließ sich nur mit einem Wort adäquat beschreiben: Shit! Auf phantastischste Art und Weise war der Anblick vollkommen absurd! Allerdings im absolut bestmöglichen Sinn. Um mein Entsetzen einmal kurz einzuordnen: Die Wohnfläche belief sich auf 100 (!) Quadratmeter, die sich auf ein Wohnzimmer samt Schreibtisch und Couchgarnitur, einem Schlafzimmer, 2 Badezimmern (eines davon bestand aus den anderen 50 Prozent der weltweiten Marmorvorkommen) und 2 begehbaren Kleiderschränken aufteilte. Hinzu kamen noch 2 stattliche Balkone mit Sitz- und Liegemöglichkeiten, die einen uneingeschränkten Ausblick über die Gartenanlage, die Pools und das Meer boten. Das Bett und selbst die Badewanne waren so ausgerichtet, dass man von dort aufs Meer schauen konnte. Hier ließ es sich relativ problemlos eine Woche lang aushalten. Ich bedankte mich noch kurz bei Grinsebert für den netten Empfang und den tollen Service, woraufhin er schnellen Schrittes wieder verschwand.

Park Suite - Balkonien
Park Suite – Balkonien
Park Suite - Schlafzimmer
Park Suite – Schlafzimmer
Park Suite - Bad
Park Suite – Bad
Park Suite - Wohnzimmer
Park Suite – Wohnzimmer
Park Suite - Wohnzimmer
Park Suite – Wohnzimmer

To pool or not to pool?

Nach der ersten Aufregung und dem ausführlichen Bestaunen des „Zimmers“ (Understatement!) und dem überfallartigen Fressen (noch nett ausgedrückt) der hausgemachten Willkommenspralinen, war die Zeit reif für etwas Entspannung. Zur Auswahl standen die beiden Pools und der hoteleigene Privatstrand, der jeden Morgen von einer kleinen Mannschaft Hotelangestellter von Algen, Steinen etc. gesäubert und hergerichtet wurde (es darf gerne mit dem Kopf geschüttelt werden). Da die Pools regelmäßig von anderen deutschen (Pauschal-) Touristen belagert wurden (war leider nicht zu überhören), die sich natürlich auch noch miteinander verbrüdern mussten, war das Meer zwar nicht die unbedingt kühlere, aber dennoch angenehmere Wahl. Natürlich hab ich grundsätzlich nichts gegen die eigenen Landsleute, aber im Urlaub kann ich generell ganz gut auf andere Menschen verzichten. Vor allem auf die, die im Pool ihre All Inclusive-Pakete vergleichen.

Park Hyatt Abu Dhabi - Pool
Park Hyatt Abu Dhabi – Pool
Park Hyatt Abu Dhabi - Gartenanlage
Park Hyatt Abu Dhabi – Gartenanlage
Park Hyatt Abu Dhabi - Strand
Park Hyatt Abu Dhabi – Strand
Park Hyatt Abu Dhabi - Strand
Park Hyatt Abu Dhabi – Strand
Park Hyatt Abu Dhabi
Park Hyatt Abu Dhabi

Die folgenden Tage waren straff durchorganisiert wie ein Bootcamp: 8-10 Stunden schlafen, ewig lang frühstücken, am Strand wieder hinlegen, hin und wieder ins Meer schleppen, Mittagsschlaf am Pool oder im „Zimmer“ und noch eine Runde Sonne tanken am Strand inklusive spektakulärem Sonnenuntergang. Abends ging es meist in die Stadt, da während des Ramadan erst nach Sonnenuntergang die meisten Geschäfte und Restaurants geöffnet hatten und zu dieser Tageszeit das Leben wieder in die Straßen zurückkehrte. Ein Rhythmus an den man sich, zumindest für eine kurze Zeit, gewöhnen konnte. Aber es sollte auch abenteuerlich werden: Um nicht vollends unter der arabischen Sonne zu verfaulen, folgte noch eine Wüstensafari und ein anschließender Besuch in einem Beduinencamp in der Wüste Abu Dhabis. Auch die Besichtigung der achtgrößten und wohl schönsten Moschee der Welt, der Sheikh Zayed Moschee, sollte eine willkommene Abwechslung bieten. Aber bis dahin konnte man auch mit diesem Anblick sehr zufrieden sein:

Sonnenuntergang auf Saadiyat Island
Sonnenuntergang auf Saadiyat Island

Was ist vorher noch Gutes passiert? „Eine Fahrt von Dubai nach Abu Dhabi“ beispielsweise. Schau doch mal rein!

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Ein Gedanke zu “Saadiyat Island und das Park Hyatt

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