04:45 Uhr nachts. London Kensington. Hotelzimmer.

Ich möchte schreien, denn ich war ja erst vor 3 Stunden und 45 Minuten eingeschlafen. Aber der feine Herr Wecker hat da leider herzlich wenig Verständnis für. Es gibt zahlreiche Studien, die besagen, dass Menschen ohne ausreichend Schlaf zu gewissen Erkrankungen neigen. Der Tod wäre beispielsweise eine davon. Zugegeben: Man munkelt wohl, dass man einen längeren Zeitraum unter Schlafmangel leiden muss, um tatsächlich davon zu sterben. Nichtsdestotrotz glich meine Laune an diesem Morgen einer Nahtoderfahrung. Und es war mit Sicherheit nicht eine dieser schönen „Komm ins Licht und tritt ein ins himmlische Paradies“-Erfahrungen, sondern sie stammte eher aus der Kategorie „Herzlich Willkommen Herr Zimmermann zum 24-Stunden-Marathon der Volkmusik“, wo ich dann vor der Bühne angekettet sitze und Zahnstocher zwischen den Augenlidern habe, um mich nicht vor dem Horror verschließen zu können. Sagen wir so: Ich hatte schon bessere Morgen gesehen. Was jedoch positiv war: Vom Vortag war ich noch so satt, dass ich mir keine Gedanken um das Frühstück machen musste. Ein Hauch von Sonnenschein entsprang meinem Gesicht.

Zunächst wusste ich in Türkisistan eine Viertelstunde lang nichts mit mir anzufangen, entschied mich dann aber doch dazu, mich anzuziehen, den Koffer zu packen, ein Uber-Taxi zu bestellen und dann auszuchecken. Mir graute es schon auf dem Zimmer vor jeglichem Kontakt zum Hotelpersonal, weil meine Fähigkeit zu sinnvoller Konversation nicht für solche Uhrzeiten ausgelegt ist. Aber auch an der Rezeption wurde ich wieder positiv überrascht:

Ich:“Auschecken bitte.“ (Voller L(i)eblosigkeit schmeiße ich die Zimmerkarte hin; das Wort „bitte“ habe ich mir eventuell eingebildet)

Hotelmensch (hebt den Kopf):“Zimmermann? Sie haben mit Punkten gezahlt. Auf Wiedersehen.“ (senkt den Kopf)

Kein „Guten Morgen“ oder „Waren Sie zufrieden mit Ihrem Aufenthalt?“. Nichts. Wie will da noch jemand gegen unmotiviertes Hotelpersonal argumentieren? In meiner Erinnerung rangiert dieses Gespräch irgendwo unter den Top 10 der schönsten Gespräche, die ich je geführt habe. Dieser Tag kann ja nur schön werden!

Nach kurzer Wartezeit traf dann auch das Uber-Taxi samt Fahrer Daniel ein und schon konnte es Richtung London Heathrow gehen. Die Fahrt dauerte eine gute halbe Stunde und auch Daniel war so nett und hatte nur am Anfang und am Ende der Fahrt etwas zu sagen. Überall nette Menschen!

Hab ich eigentlich irgendwann schonmal beiläufig erwähnt, wie sehr ich neue Technologien mag? Ich habe es beispielsweise schon immer gehasst zu telefonieren. Wenn ich im Notfall einen Krankenwagen bräuchte, würde ich selbst dann viel lieber einen per App bestellen. Leider geht das (noch) nicht, aber immerhin funktioniert es bei den Taxis schonmal super. In Zukunft kann man auch vermehrt Zeit und eventuell Nerven an der Rezeption sparen, denn die Hotels der Marken Hilton und Starwood etablieren zunehmend Keyless-Systeme, die es dem Gast erlauben, die Zimmertür mittels Smartphone zu öffnen. Auch für die Übernachtung im Hampton by Hilton in Newcastle konnte ich mittels der Hilton Hhonors App bereits ein paar Tage im Voraus das Zimmer meiner Wahl reservieren.

Das einzig Gute an einem Abflug um 07:10 Uhr ist, dass sich zu solchen Unzeiten nur wenig andere Reisende am Flughafen rumtreiben und deshalb ging es nach der Gepäckabgabe recht schnell durch die Sicherheitskontrolle, was gerade in London Heathrow an ein Wunder grenzt. Wie oft ich schon hier stand und es trotz ewiger Warterei erfolgreich geschafft habe, keinen Tobsuchtsanfall zu bekommen…Aber dieser Tag schien ein absoluter Glückstag zu sein.

Kurz vor dem Flug beschloss ich, dass ich so langsam wach werden kann und zum Glück besitze ich zwei Dinge, die für mein Vorhaben recht hilfreich waren: Die Gabe des Lesens und eine Vielfliegerkarte von Air Berlin. Zwar war ich nicht mit Air Berlin unterwegs, aber die sind ja unter anderem mit British Airways in der Luftfahrtallianz Oneworld zusammengeschlossen. Das gibt mir unter anderem die Möglichkeit, in den Vielflieger-Lounges rumzurennen. Und gerade an solch einem Tag inklusive frühem Flug ist so etwas Gold wert.

Da ich im Lesen relativ gut ausgebildet bin, konnte ich glücklicherweise die Schilder lesen, die zu den besagten Lounges führen. Ein kurzes Vorzeigen des Tickets und der Karte genügt und schon wird einem Einlass gewährt. Es kommt hin und wieder vor, dass manch ein Reisender leider jegliches benehmen an der Eingangstür vergisst und sich dem Personal und anderen Reisenden gegenüber widerlich verhält. Ich hingegen bevorzuge es scheinbar, meinen Verstand abzulegen, denn es kam wie folgt: Die Tage, die für mich früh beginnen, unterliegen einem Ritual: Ich brauche minimum 3 Tassen Espresso als Initialzündung, denn sonst werde ich handgreiflich. In diesem Fall war das aber kein Problem, denn es waren genügend Kaffeevollautomaten vorhanden. Um nicht gierig zu wirken (was ich in Wirklichkeit aber wahrscheinlich bin), ging ich für jeden einzelnen Espresso von meinem Sitzplatz zum Kaffeeautomaten und zurück. Geht als Frühsport durch, ist also gesund und deswegen super. Das Blöde daran ist nur, dass man zwangsläufig am Frühstücksbuffet vorbeiläuft…Das Elend in aller Kürze: Es gab warme Brötchen, die entweder mit Omelett und Käse oder mit Speck gefüllt waren. Ich hatte immer noch keinen Hunger. Ich habe 4 Stück gegessen. Mit Ketchup. Kein Kommentar.

Mit überraschend vollem Bauch ging es im Anschluss in den Flieger. Ich habe mir einen Sitz am Notausgang reserviert, um mit mehr Beinfreiheit leiden zu können. Kaum war man in der Luft, da fing auch schon wieder der Landeanflug an. Mit Newcastle hatte ich noch nie das Vergnügen, aber von hier oben sah die Stadt samt Umgebung schonmal sehr schön aus:

Newcastle

Obwohl ich mich vor dem Trip über Newcastle informiert habe, war ich trotzdem über die Nähe zum Meer überrascht. Und wesentlich größer hab ich es mir auch vorgestellt. Ob man hier im Sommer gut Urlaub machen kann? Wie ist eigentlich der Dialekt so nah an der Grenze zu Schottland? Und ganz wichtig: Was gibts zu Essen? Das alles sollte ich im Laufe des Tages herausfinden.

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Ein Gedanke zu “Newcastle I

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