Nach der gewonnenen Essensschlacht und einer lächerlich hohen Rechnung für Tee und Gebäck, war es an der Zeit, sich in Richtung Hotel zu schleppen, da es am nächsten Morgen sehr früh von London Heathrow gen Norden nach Newcastle Upon Tyne gehen sollte. Dort fand nämlich das Rugby World Cup-Spiel zwischen den All Blacks aus Neuseeland und der tongaischen Nationalmannschaft statt, was ja der Hauptgrund für den Trip war.

Erfreulicherweise war der Weg bis zur Tube nicht weit, da sich direkt unterhalb von The Shard die Station London Bridge befindet. Wobei mir wahrscheinlich jeder Schritt gut getan hätte, um zumindest ein paar der grobgeschätzt 10.000 Kalorien vom lockeren Teekränzchen wieder loszuwerden. Und wahrscheinlich hätte ich dann auch besser auf meinen Sitzplatz gepasst. Zumindest war es nach dem ganzen Essen irgendwie enger als auf der Hinfahrt…

Da passt wohl einer nicht mehr in die U-Bahn, weil er zu viel gegessen hat...
Da passt wohl einer nicht mehr in die U-Bahn, weil er zu viel gegessen hat…

An dieser Stelle mal eine kleine Randbemerkung wo wir gerade beim Thema U-Bahn sind: Zu meinem eigenen Erstaunen muss ich sagen, dass ich es liebe, mit der Londoner Tube zu fahren. Aber auch die Métro in Paris oder die Subway in New York finde ich immer wieder faszinierend. Hier in Deutschland ist es eher unterwältigend, aber das hat ganz einfache Gründe. Obwohl die Züge in London zu den Stoßzeiten sicherlich eher einem Viehtransport mit einem Platzangebot von minus 1 Quadratmeter gleichen, gibt es dennoch immer etwas, was einem Ablenkung oder sogar Unterhaltung während so einer Fahrt verschafft. Besonders in London sehe ich oft Menschen, in diesem Fall Frauen, die scheinbar morgens mit dem Ziel aufstehen, mich zu unterhalten (vielen Dank dafür). Und dazu gehen sie erstmal baden. In Makeup. 3-4 Stunden lang. Ich als Mann hab natürlich keine Ahnung, was an Schminke ins Gesicht gehört und wo bei den Mengen die Grenzen sind. Aber ich meine mir einbilden zu können, wann es zu viel ist. Und vor allem weiß ich, was ich lustig finde! Allein deshalb könnte ich mich beruflich als verdeckter Photograph täglich in die Tube setzen und den ganzen Tag lang Spaß haben. Eine U-Bahn voller Hobby-Clowns und ich mittendrin. Das Leben könnte so einfach und lustig sein!

Abgesehen vom Unterhaltungsfaktor, schätze ich aber noch viel mehr die Andersheit/Fremdheit der Einheimischen bzw. auch meine eigene Andersheit/Fremdheit, wenn ich unter Einheimischen sein kann. Es fängt schon bei der Sprache an, die nicht alltäglich ist und die zusätzlich mit unterschiedlichen Dialekten und Akzenten bereichert wird. Somit ist man vielmehr dazu geneigt, interessiert zuzuhören. Nicht um unbedingt irgendwelche Inhalte mitzubekommen, aber um den Klang von etwas anderem zu hören.

Wenn ich ganz „normal“ auf Reisen bin, um bestimmte Dinge zu sehen, hab ich es schon gern, wenn die wichtigsten Einzelheiten klar terminiert sind und in gewissem Maße ein Plan existiert. Mir gefällt es aber noch viel mehr, wenn ich irgendwo fremd bin, mich nicht auskenne und keine Termine im Hinterkopf habe. Sicherheit und eine damit verbundene Komfortzone hat man zu Hause zur Genüge. Diese zu verlassen, sich selbst herauszufordern und die Erfahrung zu machen, eigene Grenzen überwinden zu können, um eine Vielzahl von neuen und vielleicht auch ungeahnten Möglichkeiten zu entdecken, halte ich persönlich für eine der großartigsten und wichtigsten Erfahrungen, die man auf Reisen machen kann. Ein Jahr in Neuseeland hat mich beispielsweise sehr weit voran gebracht und geprägt, vor allem, weil die Neuseeländer fremden Menschen gegenüber so aufgeschlossen, herzlich und hilfsbereit sind.

Weiter im Text! Ein paar Stationen später war Earl’s Court dann auch wieder erreicht und nach kurzem Fußweg konnte man das Quartier für die Nacht schon sehen: Das Hotel Indigo London Kensington. Die Indigo Boutique-Hotels der IHG-Hotelgruppe setzen vor allem auf sehr individuelle Designs bei der Ausstattung der Räumlichkeiten. In Deutschland und den USA hab ich schon in ein paar dieser Hotels übernachtet und ich kann sagen, dass mir die Einrichtung immer sehr gut gefallen hat. Auch wenn der Inneneinrichter/die Inneneinrichterin in diesem Fall vielleicht ein wenig zu tief ins türkise Glas geschaut hat:

Türkis

Wandposter

Türkis

Für „umsonst“ anstatt 200 Pfund aufwärts gibt es hier absolut nichts zu meckern. Eine erholsame Nacht sollte es aber trotzdem nicht werden, denn wie schläft man am besten mit vollem Bauch? Genau: Am besten mal gar nicht. Den Spaß erlaubte sich mein Körper dann auch bis circa 1 Uhr nachts. Interessiert den doch nicht, dass um 04:45 Uhr wieder der Wecker klingelt. Aber halb so wild, denn schlafen kann man zu Hause genug. Nächster Stopp also: Newcastle Upon Tyne!

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Ein Gedanke zu “Türkise Nacht in London

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