Da stand ich also auf dem Borough Market. Mit einem Monster von Pulled Beef Sandwich und einem frischgepressten Obstsaft (Die Mutter wäre stolz) im Bauch. Und was nun? Na gut, gehen wir halt etwas essen!

Ein kleiner Hinweis sollte an dieser Stelle erwähnt werden: Das alles mag jetzt relativ spontan klingen, allerdings sollte man für den High Tea im Ting ein paar Wochen vor der Reise nach London nach einem freien Tisch Ausschau halten. Ich muss sagen, dass ich Glück hatte, als ich mehrere Monate (!) vor dem Abflug nach London noch einen der letzten Termine für das verlängerte Wochenende bekommen habe. Hossa!

Der Weg vom Borough Market zu The Shard gestaltet sich vergleichsweise kurz. Hätte ich hier schon gewusst, wie es mir hinterher geht, wäre ich für einen Pre-High-Tea-Todesmarsch quer durch England und zurück dankbar gewesen. Aber da hat wohl jemand leider Pech gehabt! Immerhin war vorher der spektakuläre Anblick von unten noch genießbar:

The Shard

Nach 5 Minuten Fußweg steht man dann auch schon vor dem Eingang des Shangri-La Hotels, wo das Ting beheimatet ist. Leider gibt es nicht nur eine Eingangstür, sondern gleich 3. Um es kurz zu machen: Nachdem ich mich für eine der Türen entschieden hatte, sagte ich dem dazugehörigen Portier, dass ich eine Reservierung für das Ting habe. Der Portier, dem Akzent und der Statur nach eher ein ehemaliger, russischer Söldner, hörte geduldig zu. Anschließend entschied er sich dazu, mich auszulachen und verwies auf die Tür zu seiner Rechten. Ich bedankte mich mit einem Lächeln, beschimpfte ihn innerlich aber auf das Übelste. Er hat es ja nicht anders gewollt.

„Ob du richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht“ lautete der Spruch aus einer beliebten Kinderserie. Zumindest mir persönlich ging jetzt an der richtigen Tür auch endlich ein Licht auf. So halbwegs zumindest. Wer jetzt nämlich denkt, dass er direkt in die Lobby des Nobelhotels läuft, täuscht sich leider. Man sieht zwar überall das Hotelpersonal rumrennen, aber hier handelt es sich lediglich um eine Art Pre-Lobby, da sich das Hotel auf den Etagen 34 bis 52 befindet.

Eine aufmerksame und freundliche Empfangsdame in roter Robe, mit einem iPad und 14 Schichten Schminke bewaffnet, begrüßte dort die Gäste und erkundigte sich nach deren Anliegen. „Reservierung, Ting, hau ab!“ war mein erster, spontaner Gedanke. Aber warum nicht das ganze Spiel mitspielen, wenn man schonmal hier ist? Schließlich ist das eine besondere Erfahrung und die junge Frau macht ja auch nur ihre Arbeit. „Ich habe eine Reservierung im Ting für 16 Uhr“ entgegnete ich ihr. „Herzlich willkommen! Bitte nehmen Sie den Aufzug in die 35. Etage. Viel Vergnügen.“ Lustigerweise darf man im Anschluss noch durch die Security, wo vor allem Frauenhandtaschen durchsucht werden. Keine Ahnung warum, aber irgendwer scheint sich bedroht zu fühlen. Also wenn hier Terroristen rumlaufen, dann aber nur die oberen Zehntausend. Und davon dann die Crème de la Crème. Die weltberühmten Champagner- und Kaviarterroristen.

Innerhalb weniger Sekunden befördert der Aufzug die Gäste in die 35. Etage. Durch die schnelle Fahrt und den dadurch bedingten Druck, kann es sein, dass man oben erst ein paar mal schlucken muss, um wieder vernünftig hören zu können. Kurz darauf wird es aber auch schon spektakulär: Die 360-Grad Aussicht über London ist im ersten Augenblick überwältigend und sehr beeindruckend, denn die ganze Stadt liegt einem zu Füßen.

IMG_5012

Nach erneuter Begrüßung durch diverse Empfangsdamen, ging es dann zum reservierten Tisch. Und auch hier fühlten sich gleich mehrere Kellner für einen zuständig. Alles andere als eine Servicewüste!

Bei einem Blick über die anderen Tische konnte ich feststellen, dass sich die meisten der anderen Gäste an den sportlich eleganten Dresscode gehalten haben. Doch auch hier gab es beispielsweise eine geschmacklose Russin zu sehen, die im pinken Jogginganzug und mit einer Baustelle von Gesicht durch die Gänge schlurfte. Die ewige Diskussion um Geld und Stil…

Nach der Auswahl des Tees ging es auch schon mit dem Amuse Bouche, der kleinen „Gaumenfreude“ vor der Vorspeise, los. Ein Teelöffel einer Mousse aus Blumenkohl und Knoblauch. Eine kleine Menge mit einer umso überraschenderen Geschmacksexplosion! Selbst nach mehreren Tassen Tee hatte man den ungewöhnlichen und dennoch erstaunlichen Geschmack noch im Mund. Im Anschluss kam dann das, worum es sich hauptsächlich drehte:

High Tea

High Tea

Nicht im Bild: Die Extraportion Clotted Cream, eine extra dicke Sahne, die man als Aufstrich für die Scones benutzt.

Extra zu diesem Hauptgang stellte sich ein weiterer Kellner mit französischem Akzent vor, der die einzelnen Speisen auf der Etagère erklärte. Schon nach dem ersten Teller hielt sich mein Hunger stark in Grenzen. Aber die Party kostete ja eine Kleinigkeit, also ging es weiter. Und das Essen an sich war auch gar nicht das Problem. Nur war mein Körper leider nicht in der Lage, so schnell zu verdauen, wie ich es in dem Augenblick gebraucht habe. So kam es, wie es kommen musste: Ich habe mich dramatisch überfressen. Leider gibt es keine Möglichkeit, das irgendwie sprachlich schön zu verpacken. So war es nunmal in all seiner Hässlichkeit. Es passiert selten, dass mir allein von der Menge an Essen schlecht wird, aber an diesem Nachmittag war ich sehr erfolgreich. Und das Schlimme ist: Ich würde es wieder tun!

Alles in allem war es jedoch ein wunderbarer Nachmittag in einem spektakulären Restaurant. Das Personal und der Service waren dem Hotelstandard entsprechend hochklassig. Die Speisen waren ebenfalls von sehr hoher Qualität, geschmacklich überwiegend ausgezeichnet (Sandwiches mit geräuchertem Lachs sind einfach nicht meins) und bei Bedarf hätte man sogar noch einen Nachschlag bekommen (Hau ab!!). Wer irgendwann mal in London ist, Zeit und Lust hat und einen Tisch reservieren kann, dem kann ich den High Tea im Ting sehr empfehlen. Vielleicht macht das jemand von euch ja demnächst und probiert mal die asiatische Variante. Über einen Erfahrungsbericht würde ich mich sehr freuen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s